Gabby Llanillo – Dazugehören in MINT-Berufen

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Gabby Llanillo war schon früh von Videospielen fasziniert – sogar wenn sie das einzige Mädchen im Raum war. Durch dieses frühe Interesse verbunden mit Ehrgeiz und Zielstrebigkeit hat sie sich eine erfolgreiche Karriere als Quality Assurance Engineer und Quality Lead bei Riot Games erarbeitet. Gabby kam zu Logitech MX in die #WomenWhoMaster-Serie, um darüber zu sprechen, wie sie ihre eigene Stimme gefunden hat, über die Vorzüge von Diversität im Gaming-Bereich und über die Entwicklung einer nachhaltigen Karriere.

F: Wie war Ihre Kindheit? Waren Sie ein traditioneller Computerfreak?

Ja! Ich habe mich schon sehr früh mit Computern beschäftigt. Ich bin auf den Philippinen geboren und aufgewachsen und habe die meiste Zeit meiner Kindheit in den PC-Bangs (Computercafés) meiner Onkel verbracht. Die waren voll von Gamern und Computerfreaks. Ich brachte einen viel zu großen Teil meiner Freizeit damit zu, kostenlos das Internet zu nutzen und einfach nur am Computer zu spielen. Ich habe viele Strategiespiele wie Age of Empires, StarCraft und Warcraft gespielt. Und dann waren da noch Vice City, Grand Theft Auto und andere Dinge, die ich nicht hätte spielen sollen. Meine Leidenschaft für Computer und Spiele hat mich in meiner Familie zur IT-Spezialistin gemacht.

F: Das klingt, als hätte Ihre Familie gewusst, dass Sie gut mit Technik umgehen können. Haben sie es gutgeheißen, dass Sie in den MINT-Bereich und dann auch speziell ins Gaming gegangen sind?

Sie haben mich wirklich unterstützt, zumindest was den MINT-Aspekt angeht. Ich glaube, sie wussten einfach nicht wirklich, worum es bei Videospielen geht. Meine Mutter war viel aufgeschlossener, als ich mich für eine Tech-Laufbahn entschied, weil auch sie in der Schule Informatik gelernt hatte. Sie folgte aber schließlich ihrer Leidenschaft, Tanzlehrerin zu werden.

F: Schließlich sind auch Sie Ihrer Leidenschaft nachgegangen, in der Gaming-Branche. Jetzt sind Sie QS-Ingenieur. Wie beschreiben Sie, was Sie tun? Wie sieht ein typischer Tag aus?

Ein QS-Ingenieur zu sein, geht Hand in Hand der Übernahme von Verantwortung für Qualität. Das Testen gehört dazu, aber zu meiner Rolle gehört es auch, dem Team fundierte Entscheidungen zu ermöglichen, wenn es darum geht, neue Funktionen hinzuzufügen. Wir bewerten Risiken und denken darüber nach, was ein „gutes“ Produkt ausmacht, wie ein Produkt sein sollte, ob es barrierefrei und attraktiv ist. Es geht also über die Frage „Funktioniert das“ hinaus? Es geht darum, ein Produkt herzustellen, an dem die Menschen Freude haben. 

Die QA ist eine großartige Möglichkeit, die verschiedenen Aspekte der Videospielentwicklung kennenzulernen, weil man so eng mit allen Entwicklern zusammenarbeitet und die gesamte Pipeline versteht. Sie sind buchstäblich die Person, die dem Produkt selbst am nächsten steht.

F: Manche Menschen, insbesondere Frauen, People of Color und Menschen aus der LGBTQIA+-Community, haben das Gefühl, an einem IT-Arbeitsplatz nicht sie selbst sein zu dürfen. Wie bringen Sie Ihr ganzes Selbst in die Arbeit ein?

Ich kann sowieso nicht anders, als ich selbst zu sein. Es kommt einfach durch. 

Ich habe das Glück, ein Team und einen Manager zu haben, die mich unterstützen und die mir das Gefühl geben, dass ich ich selbst sein darf, ohne mich für den äußeren Anschein zu verstellen. Aber als ich das College abgeschlossen hatte, dachte ich: „Es ist mir eigentlich egal, was die Leute jetzt denken – ich werde einfach so sein, wie ich bin, und sehen, wie das läuft.

„Ich bin lange genug berufstätig, um mir selbst zu vertrauen, wie ich bin. Jetzt entschuldige ich mich nicht dafür. Wenn ich nicht ich selbst sein kann, was soll ich dann machen?“

F: Das ist erstaunlich. Auf welche Weise können Sie anderen helfen, genau so zu glänzen wie Sie?

Ich versuche immer, mit meinem Team im Gespräch zu bleiben und ihnen zu vermitteln, dass es gut ist, darüber zu sprechen, wie sie sich fühlen und wie sie zurechtkommen. Ich versuche auch, in der Kommunikation mit unseren Vorgesetzten Präsenz zu zeigen und unser Team zu repräsentieren – präsent zu sein auf eine Art und Weise, die ich mir auch von anderen erhoffe. Angst ist weit verbreitet, offene Worte mit Vorgesetzten zu sprechen, besonders wenn man neu ist und noch nicht weiß, ob man überhaupt wichtig genug ist, dass andere zuhören. Daher versuche ich, andere durch mein Verhalten zu ermutigen. 

Ich bin nicht nur QA-Ingenieur und Quality Lead, sondern leite auch ein Strike-Team in einer unserer Ressourcengruppen für Mitarbeiter, die „Rainbow Rioters“. Das ist unsere LGBTQIA+-Ressourcengruppe, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, inklusive Communitys in Riot und darüber hinaus zu fördern. Wir haben vor, das ganze Jahr über interne und externe Aktionen durchzuführen, anstatt uns nur auf den Pride Month zu konzentrieren. Das Team hat in den letzten Jahren unglaubliche Arbeit geleistet, vom Design von T-Shirts und der Organisation von Panels mit unseren Queer-Kreativen, um Pride zu feiern, bis hin zu Ressource für Mitarbeiter für das ganze Jahr.

Gabby Llanillo – Dragon Quest

F: Wer hat Sie zu Beginn Ihrer Karriere unterstützt? Hatten Sie einen Mentor?

Ich bin in die Branche eingestiegen, ohne wirklich viele Leute zu kennen. Von da an hatte haben mir einige Frauen weitergeholfen. Aber eine bestimmte Person bedeutete mir sehr viel: Cynthia Ibarra. Sie war meine Hauptfigur in meinem letzten Spielestudio, Naughty Dog. Sie war es, die das Team zusammenhielt. Sie gab mir eine Mischung aus emotionaler und beruflicher Unterstützung. Ich hatte das Gefühl, mich an sie wenden zu können, auch wenn es nicht nur um die Arbeit ging. Aber wie auch immer: Sie hat mich stets ermutigt, noch besser zu arbeiten, ohne dabei um den heißen Brei zu reden.

F: Was war der beste Rat, den Ihnen eine Mentorin wie Cynthia gegeben hat?

Verwechseln Sie Leidenschaft nicht mit Ausbeutung. Entspannen Sie sich. Die Leute sagen mir immer, ich solle langsamer machen. Ich befolge diesen Rat immer noch nicht, aber ich bin mir dessen bewusst und arbeite daran. Ich muss mich ständig daran erinnern, dass ich eine lange Karriere vor mir habe und dass es besser ist, nachhaltig in Form zu bleiben, als sich zu schnell zu verheizen. Es gibt so vieles im Leben, das Sie nicht erleben können, wenn Sie sich die ganze Zeit nur auf die Arbeit konzentrieren.

„Andere erinnern mich daran, und ich erinnere mich selbst daran, dass ich nicht alles auf einmal und alleine machen muss. Es wird immer Leute geben, die helfen können, also fragen Sie danach!“

Es fällt mir wirklich schwer, das auch zu tun, weil ich es liebe, an vielen Dingen zu arbeiten, nach dem Motto: „Ich schaffe das!“ Aber jeder hat seine Grenzen und ich lerne meine gerade kennen.

F: Schauen wir nach vorne. Wie sehen Sie die Entwicklungsrichtung der gesamten Branche in den nächsten zehn Jahren?

Ich glaube, viele Menschen befürchten, dass Gaming von Monetarisierung und Kapitalismus überrollt wird. Aber in der Spieleindustrie gibt es so viel Leidenschaft, dass ich hoffe, dass es nicht ganz in diese Richtung läuft. Ich denke immer noch, dass dies eine der besten Branchen ist, in der man tätig sein kann. 

Ich sehe auch viel mehr Diversität beim Gaming. Ich hoffe wirklich, dass diese Branche schneller auf diesem Weg vorankommen wird, als es in der Technik der Fall war. Dazu gehört auch der Versuch, Autoren und Kreative mit möglichst diversem Hintergrund hinter die Kulissen zu holen. Denn wenn wir uns neue kreative Hintergründe und Stimmen erschließen, werden diese Perspektiven in Spielen sichtbar.

Gabby Llanillo – Arcane Netflix

„Jedes Mal, wenn mir jemand schreibt, dass er sich zugehörig fühlt, wenn er mich in Spielen sieht, ist mir das sehr wichtig. Ich möchte, dass sich mehr Menschen zugehörig fühlen."

F: Apropos künftige Veränderungen in der Branche: Stellen Sie sich für einen Moment vor, dass Ihre Urenkelin im Jahr 2100 als QA-Technikerin oder in der Gaming-Branche landen wird. Wie soll ihr Leben aussehen?

Ich hoffe, sie hat nicht das Gefühl, die einzige sein zu müssen, die für ihre spezifische Zielgruppe spricht. Ich möchte, dass sie sich fühlt wie eine unter vielen, dass ihr alle Wege offenstehen und dass dies zur Norm wird. Ich weiß, dass dann noch viele andere Probleme zu lösen sind, aber ich möchte nicht, dass sich auch nur die Frage stellt, ob sie in diese Branche gehört.

Nehmen Sie Kontakt mit Gabby auf Twitter unter @gabs820 oder über LinkedIn auf.

Neben ihrer Arbeit bei Riot ist Gabby Mitglied bei Project AWR, einer Organisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, einen sicheren Raum für asiatische Frauen in der Gaming-Branche zu schaffen. Sie ist auch eine Partnerschaft mit der De La Salle University bei einer ihrer wichtigsten Veranstaltungen, Good Game Well, eingegangen, wo sie Vorträge hält und als Mentorin für Student:innen arbeitet, die an einer Laufbahn in der Qualitätssicherung in der Gaming-Industrie interessiert sind.

Women Who Master stellt Frauen vor, die herausragende Beiträge im MINT-Bereich geleistet haben. Ziel der Serie ist es, diese Beiträge zu würdigen, zukünftige Führungskräfte zu inspirieren und dazu beizutragen, das Geschlechtergefälle im Technologiebereich auszugleichen.

Bildnachweis: Gabby Llanillo

 

#WOMEN­WHOMASTER

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