Faiza Yousuf – Anerkennung und Teilhabe von Frauen in der Technologiebranche

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Zu Beginn ihrer Karriere war Faiza Yousuf oft die einzige technische Mitarbeiterin in ihrem Unternehmen. Sie ist fest entschlossen, anderen Frauen in Pakistan diesen einsamen Lebensweg zu ersparen. Als Senior Product Manager bei Genentech, Gründerin von WomenInTechPK, Mitbegründerin von CodeGirls und Program Director von CaterpillHERs fördert Faiza Frauen in der Technologiebranche und öffnet Türen für andere in diesen Bereich. Faiza besuchte Logitech MX in der Reihe #WomenWhoMaster, um darüber zu sprechen, warum und wie sie sich für die Inklusivität der Geschlechter einsetzt.

F: Zunächst einmal: Wie beschreiben Sie Ihre Erfahrungen und Ihre Arbeit im Technologiebereich?

Ich wohne in Karatschi, Pakistan, und bin seit über 12 Jahren in der Technologiebranche tätig. In den letzten sechs Jahren habe ich mich sehr aktiv für die inklusive Behandlung der Geschlechter im Technologiebereich eingesetzt und bin an zahlreichen Initiativen in diesem Bereich beteiligt. Ansonsten bin ich Produktentwicklungsmanagerin bei Genentech, einem Unternehmen für Softwarelösungen.

F: Erzählen Sie uns mehr darüber, wie Ihre Initiativen zur Geschlechterinklusivität die Wahrnehmung der Zukunft von Frauen in MINT-Fächern prägen?

Zwei wichtige Aspekte dessen, was ich tue, sind die Bewusstseinsbildung und der Aufbau einer Community für Frauen. Frauen haben in vielen Bereichen der Technik ihren Beitrag geleistet. Große Teile ihrer Arbeit wurden nie anerkannt. Ich bringe Frauen, die in der Technologiebranche arbeiten, stärker ins Rampenlicht, damit andere Frauen dies sehen und wissen, dass sie dasselbe erreichen können.

Mehr Aufmerksamkeit schafft eine Community für Frauen. Ich habe einen Großteil meiner Karriere ohne Kolleginnen verbracht.

„In den ersten drei oder vier Jahren meiner Karriere war ich normalerweise die einzige Frau im Unternehmen. Nicht im Raum, nicht im Team – im ganzen Unternehmen.“

Als keine anderen Frauen da waren, hatte ich niemanden, der mich hätte anleiten können. Es war niemand da, der eine Frage stellte. Es war niemand da, der mir sagen konnte: „Was mit dir passiert, Faiza, ist Belästigung. Das darf nicht passieren.“ Meine Mitarbeiter und ich wollen eine Community für Frauen, in der sie Gleichgesinnte und Mentorinnen finden können.

F: Wollten Sie schon immer eine Karriere als Ingenieurin? Haben Sie über andere Berufe nachgedacht?

Ich habe mich eine Zeit lang für Botanik interessiert, aber nachdem ich meine Begeisterung für Computer entdeckte, habe ich es nie bereut. Ein Grund dafür ist, dass mir Computer mit meiner Lernschwäche geholfen haben. Ich habe Legasthenie, daher waren andere Fächer vergleichsweise schwer zu studieren. Aber das Verständnis von Computern oder Programmiersprachen war ganz natürlich.

F: 2016 haben Sie WomenInTechPK gegründet, eine Community nur für Frauen, in der Mitglieder professionelle Unterstützung, Ratschläge, Mentorinnen und Möglichkeiten finden. Warum haben Sie die Gruppe gegründet?

Ich habe WomenInTechPK als Gastprofessorin an einer Universität gegründet. An der Universität waren nur sehr wenige Mädchen im Hörsaal: Es waren vielleicht 60 Jungen und 7 oder 8 Mädchen im Raum. Die Mädchen waren sehr still und beteiligten sich nie an Diskussionen im Unterricht. 

Eines Tages, als alle Jungen aus dem Unterricht gegangen waren, fragte ich die Mädchen: „Sind Sie mit dem Unterricht zufrieden? Ich will euch besser kennenlernen.“ In diesem Gespräch erfuhr ich, dass sie keine Zukunft im Ingenieurwesen für sich sahen, weil sie keine Frauen kannten, die in der Ingenieursbranche arbeiten.

Ich habe WomenInTechPK ins Leben gerufen, weil ich diesen Studentinnen mit Frauen in Kontakt bringen wollte, die ich kenne, die seit Jahren in der Technologiebranche arbeiten und fantastische Produkte und Dienstleistungen für Kunden auf der ganzen Welt entwickeln. Es ist jetzt sechs Jahre her und wir haben fast 10.000 Mitglieder, alle Tech-Mitarbeiterinnen aus Pakistan.

 

Faiza Yousuf bei der Arbeit am Notebook

F: Welche anderen Auswirkungen hat CodeGirls auf das Leben von Frauen?

Code Girls ist ein Programmier-Bootcamp vor Ort in Karatschi für Frauen ab 18 Jahren. Es ist das Ergebnis einer Partnerschaft zwischen WomenInTechPK und zwei anderen Organisationen. Bisher haben wir über 800 Absolventen und haben über 200 Frauen mit nichttechnischem Hintergrund in IT-Stellen vermittelt.

Zu uns kommen viele Frauen aus Familien mit mittlerem bis niedrigem Einkommen und nehmen an CodeGirls teil. Wenn ein Mädchen das Programm abschließt, vermitteln wir ihr eine Stelle in der Technologiebranche. In den meisten Fällen verdoppelt sich dadurch das Familieneinkommen. Es ist erstaunlich mitzuerleben, wie sich dies auf die Möglichkeiten der Frau zur Mitbestimmung in ihrer Familie auswirkt, weil sie mehr Geld verdient und einen Beitrag zur Familie leistet. Dank dieser Programme konnten Frauen Autos und Häuser kaufen und ihre Kinder auf bessere Schulen schicken.

F: Wie unterstützen andere Initiativen, an denen Sie beteiligt sind, wie etwa CryptoChicks und CaterpillHERs, Frauen und Mädchen im MINT-Bereich?

Ich arbeite als Länderbotschafterin für CryptoChicks, eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Kanada. Das Gründungsteam, allesamt Frauen, gründete die Organisation, um mehr Frauen dazu zu ermutigen, sich mit aufstrebenden Technologien wie Blockchain und KI (künstliche Intelligenz) zu befassen. Durch Online-Programme, Online-Hackathons, Konferenzen und andere Gelegenheiten stellen wir sicher, dass Frauen in Pakistan Zugang zu aufstrebender Technologie, Lern- und Arbeitsmöglichkeiten erhalten.

Ich bin auch Program Director bei CaterpillHERs. CaterpillHERs ist ein Accelerator-Programm zur Förderung von Unternehmertum und Karriere. Wir helfen Frauen dabei, ihr Unternehmen zu skalieren und durch Weiterbildung die Karriereleiter zu erklimmen. Unsere Fachbereiche umfassen Unternehmertum, Freiberuflichkeit und Produktmanagement. 

F: Wie möchten Sie, dass die Technologiebranche in zehn Jahren aussieht? ​​

Im Moment ist Pakistan im Grunde ein Dienstleister. Wir entwickeln hauptsächlich Technologie für Länder rund um den Globus. Aber ein Großteil der Infrastruktur der Regierung und des privaten Sektors in Pakistan ist rückständig, weil die Lösungen nicht auf unsere lokalen Bedingungen abgestimmt sind. Ich würde gerne sehen, wie wir Technologie für uns selbst entwickeln.

Ich würde mir auch größere Diversität unter den Menschen im Technologiesektor wünsche, nicht nur Frauen, sondern auch Trans-Personen, Menschen mit andersartigen Fähigkeiten und Menschen, die nicht neurotypisch sind. Es fehlt an Diversität. Die Arbeitgeber haben das Gefühl, dass sie keine Anreize haben, eine diversifizierte Belegschaft einzustellen, und deshalb nicht investieren, und es gibt keine staatlich genehmigten Arbeitsplätze für Menschen aus diesen Gemeinschaften.

Faiza Yousuf beim Vortrag in den Lincoln Corners

F: Welcher Rat von einem Mentor hatte eine andauernde Wirkung für Sie?

Wegen meiner Legasthenie kostet es mich bei manchen Dingen die doppelte Mühe, sie zu verstehen. Wenn ich frustriert war, sagte mir eine meiner Lehrerinnen, ich sollte mir vorstellen, nicht den kürzesten Weg zu nehmen, sondern eine landschaftlich schöne Route zu wählen. Sie ermutigte mich, den Prozess zu genießen.

„Mir wurde klar, dass es in Ordnung ist, auch wenn ich eine Weile brauche. Bei Intelligenz geht es nicht nur darum, alles sehr schnell erledigen zu können.“

Mehr über Faiza erfahren Sie auf ihrer Website. Nehmen Sie mit Faiza Kontakt auf über Twitter, LinkedInoder Instagram. Halten Sie sich auf dem Laufenden über das Neueste von WomenInTechPK, CodeGirlsund CaterpillHERS.

Women Who Master stellt Frauen vor, die herausragende Beiträge im MINT-Bereich geleistet haben. Ziel der Serie ist es, diese Beiträge zu würdigen, zukünftige Führungskräfte zu inspirieren und dazu beizutragen, das Geschlechtergefälle im Technologiebereich auszugleichen.

Bildnachweis: Faiza Yousuf

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